Interview mit Manfred Schmidt (AfD)
Manfred Schmidt ist Mitglied der AfD-Fraktion und seit 2020 Mitglied des Kreistags. Er war früher 27 Jahre lang in der CSU aktiv und seine persönlichen Schwerpunkte sind soziale Themen und Migration.
Phoenix: In ihrer Rede vorhin [während der Podiumsdiskussion] haben Sie das Institut, das Sie mit Ihrer Frau haben, angesprochen. Was genau sind da die Ziele, die Sie sich gesetzt haben?
Schmidt: Ja, ursprünglich haben wir das als Sozialstiftung gegründet, in Vaterstetten, in eine Naturschutz- und Umweltstiftung umgearbeitet, und wir haben schon im Testament festgelegt, dass sie erweitert wird, und zwar in die „Manfred und Ute Schmidt Natur- und Sozialstiftung“, und zwar für den Landkreis Ebersberg. Der Sozialbereich soll vor allem abgedeckt werden, für Behinderte, Pflegebedürftige und ihre zuhause pflegenden Angehörigen und Obdachlose. Und es wird, so der liebe Herrgott will, keine großen Belastungen mehr geben, und da wird schon einiges zustande kommen. Zum Beispiel unser schuldenfreies Haus in Waldheim wird eingeführt. Wir haben im Testament schon festgelegt, das liegt ja beim Amtsgericht Ebersberg, ist es schon niedergelegt, dass unsere Stiftung Alleinerbin wird, weil wir selber keine Kinder haben.
Phoenix: Sie waren jetzt 27 Jahre in der CSU, stimmt das?
Schmidt: Ja, woher wissen Sie das?
Phoenix: Das haben wir in einem Artikel von der Süddeutschen Zeitung gelesen. Wir haben uns vorher ein bisschen informiert, damit wir Ihnen eine Frage stellen können. Warum haben Sie sie denn verlassen? Also gab es da einen Punkt, wo Sie gesagt haben, nee, das trifft jetzt nicht mehr zu?
Schmidt: Ja, kann ich genau sagen. Ich bin aus Überzeugung in die CSU gegangen, weil ich eine Politik aus christlicher Verantwortung bevorzuge. Das wollte ich sagen, das ist für mich wichtig, der Maßstab, auch wenn wir das als Menschen, weil wir alle fehlbar sind, meist nicht erfüllen können. Aber man darf sich einen Maßstab setzen und versuchen hinzukommen. Und mich hat auch damals Franz Josef Strauß beeindruckt. Ich mag Leute, die kernig sind. [Nicht] So BlaBla-Leute, die sich um die Fragen herumreden. Das ist mir ein Gräuel. Ich bin sehr klarer Bekenntnis und meiner Meinung dran. Und das habe ich ziemlich gerne gemacht. Dann habe ich aber gesehen, was mir nicht gefallen hat und heute immer noch nicht gefällt: Wenn zu viel Geld ins Ausland geht und die eigenen Bedürfnisse zurückfallen. Also da darf ich Ihnen sagen, als Gymnasiasten, der berühmte Staatsmann und Senator Markus Tullius Cicero1 hat im Jahre 55 vor Christus unter anderem gesagt, man darf nicht zu viel Geld an ausländische Regierungen zahlen. Ich weiß zwar nicht mehr, was er für einen Anlass hatte, [um] was es da im Einzelnen ging, aber ich bin der Meinung, meine Damen und Herren, wir dürfen natürlich als Christen nicht die Augen vor der Not in der Welt verschließen.
Wenn Katastrophen da sind oder Hungersnot, dann müssen wir helfen. Aber das muss alles mit Maß und Ziel gehen. Wir übertreiben halt. Das habe ich so dicke. Diese deutsche Großmannssucht, dieser teutonische Größenwahn sozusagen, der uns im 20. Jahrhundert zweimal durch die militärischen Größenwahn, auch schon um Kaiser Wilhelm und vom Verbrecher Hitler gerade zu reden, uns ins Verderben geführt hat. Und jetzt ist die Gefahr, dass wir uns finanziell hier ausbluten. Wir müssen an die eigenen Bedürfnisse denken. Das hat nichts zu tun mit Amerika first oder Deutschland first. Ganz milde gesagt, wir müssen die Bedürfnisse hier erfüllen und müssen natürlich im Rahmen unserer Finanzkraft auch dem Ausland helfen, Entwicklungshilfe und so weiter.
Aber wir haben, ich glaube, noch einmal ein Beispiel in Syrien. Da war vor zwei Jahren etwa, können Sie gerne faktenmäßig nachlesen, ich weiß es auch nicht mehr ganz genau, war eine sogenannte Geberkonferenz 2, es gibt ja häufig Geberkonferenzen, die von der UN durchgeführt werden. Da war eine in Syrien, die hat dann 8,5 Milliarden Euro eingebracht und da hat Deutschland, glaube ich, 3 Milliarden noch was, das habe ich damals ausgerechnet, also zwei Fünftel beigetragen3. Und Deutschland hat aber gleichzeitig von allen syrischen Flüchtlingen, außer von den Nachbarländern [Syriens], die haben natürlich die meisten aufgenommen, aber von denen, die nicht Nachbarn sind, haben wir Deutschen mit Abstand die meisten syrischen Flüchtlinge aufgenommen und geben bei der Geberkonferenz auch noch das zweitmeiste nach den USA [aus]. Also das muss man etwas mit Maß und Ziel machen. Ich bin da auch [für] ein Maß in der Politik und das haben wir übertrieben. Inzwischen haben wir die Sucht, dass wir immer überall so glänzen wollen, als die Allerbesten in dieser Welt. Und dann lacht auch das Ausland über uns.
Phoenix: Das heißt, Sie wollen einfach ein bisschen darauf achten, dass wir es mit unserer Hilfe nicht übertreiben, sondern uns auch mal selbst nach vorne bringen und sagen: „Wir sind halt immer noch wir. Dann müssen wir auch irgendwie noch unsere Prioritäten setzen.“
Schmidt: Ohne den nationalen Beigeschmack von Deutschland zuerst, so muss man das gar nicht ausdrücken, aber das ist genauso wie in der Familie. Wenn Ihre Eltern überall in der Nachbarschaft sich großzügig ausgeben, Runden spendieren im Wirtshaus und Sie daheim haben kein Geld, um auch einmal Rollschuhe zu kaufen oder Schlittschuhe oder so etwas zum Beispiel, da würden Sie auch sauer sein. […]
Phoenix: Sie waren in dieser Runde [der Podiumsdiskussion] der Einzige, der schon im Ruhestand ist. Gibt es etwas, das Sie im Ruhestand neu für sich entdeckt haben?
Schmidt: Ja, neu für mich entdeckt habe ich ein bisschen die Muße und die Entschleunigung. Dass ich auch versuche, bei allem Engagement, und bin ja da auch beschäftigt mit der Stiftung, bin auch Beirat in zwei Kommanditgesellschaften und so weiter, aber das ist dann alles natürlich kein Vergleich zur strengen Berufstätigkeit und da habe ich schon ein bisschen für mich entdeckt, auch die, sagen wir mal, die Gunst der Entschleunigung eines Lebens. Das also nicht ständig vorprogrammiert ist und ständig von Pflichten überwuchert wird.
Habe ich [alle Fragen] damit einigermaßen beantwortet?
Phoenix: Ja.
Schmidt: Also das [Interview] können Sie lassen, Sie haben mich nicht reingelegt, Sie waren auch nicht bösartig. Nehme ich auch nicht an. Habe ich auch nicht angenommen […]. Aber die Presse ist teilweise äußerst AfD-feindlich eingestellt. Sie hören vor, die Redner, teilweise haben Sie die Nazi-Keule gehört, weil wir mit Nazis überhaupt nichts am Hut haben. Ich wüsste auch nicht, bei uns, die ich kenne, die Nazis, da muss man ja irre sein, wenn man für Nazis sein will, nach dem Unglück, das die uns beschert haben, unseren Leuten. Sie haben das zum Glück nicht erlebt. Sie haben das Glück, in den Wohlstand hineingeboren zu werden. Aber ich bin Jahrgang 37, ich bin noch in der Nazi-Zeit geboren, die ersten drei Jahre, da weiß man ja meistens nichts mehr davon, aber dann kam der Krieg und ich habe den ganzen Krieg miterlebt. 1943 wurde ich eingeschult. Wir haben in Luftschutzkellern bei […] flackernden Petroleumlampen Unterricht gehabt und so weiter. Also, wer all das erlebt hat und Nazi ist, der muss total, das muss man sagen, der müsste vielleicht psychisch behandelt werden.
1 das Zitat wurde Cicero fälschlicherweise zugeschrieben. Es tauchte erstmals 1965 in dem Roman „a pillar of iron “ von Taylor Caldwell auf. Dort spricht Cicero diese fiktiven Worte. Allerdings werden diese seid den 1970er Jahren von konservativen Politikern als wahre Aussage Ciceros insziniert. –the university of texas at austin , college of liberal arts
2 Treffen von Organisationen und Ländern, die ein direktes und potentielles Interesse daran haben Länder, zu unterstützen und zu fördern, die wirtschatliche und finanzielle Unterstützung benötigen
3 2024 fand die Geberkonferenz in Brüssel statt, wobei die internationale Gemeinschaft 7,5 Milliarden Euro an Syrien bereitstellte, um die Bürgerkriegsfolgen abzumildern. Deutschland steuerte rund eine Milliarde Euro bei. Das war mehr als einzelne andere Länder. (Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/syrien-geberkonferenz-hilfen-100.html)