Phoenix FMG-News

Podiumsdiskussion am FMG zu den Kommunalwahlen in Bayern am 8.3.26

Von Emma, Maxi, Moritz H., Moritz K. und Valentin 

(Jgst. 8&9)

Inhaltsverzeichnis

Im Hinblick auf die Regionalwahlen am 8. März fand am Freitag, den 6. Februar 2026, für die 11. bis 13. Jahrgangsstufe eine Podiumsdiskussion in der Aula statt. Politiker der verschiedenen Fraktionen im Kreistag diskutierten und teilten ihre Ansichten zu den Themen Bildung, Infrastruktur und Umwelt. Die Moderation übernahmen die Schüler Julian Bohnsack und Jan Havlicek aus der Q13. In den 90 Minuten gab es rege Diskussionen und einen Austausch diverser Meinungen, welche den großteils schon wahlberechtigten Schülern eine Grundlage geben sollten, ihre Stimmen überlegt einzusetzen. 

Wir von der Schülerzeitung waren anwesend und möchten euch im Folgenden die wesentlichen Standpunkte und Meinungen der Politiker näherbringen.

Nun seht ihr eine Übersicht über die anwesenden Politiker.

VORSTELLUNGRUNDE

Zu Beginn der Diskussion durften sich die Anwesenden mit drei Wörtern vorstellen und ihre allgemeinen Stand- und Schwerpunkte darlegen:

Dr. Renate Glaser

Klimaschutz, Naturschutz, Gesundheitsschutz

„Aktiver Klimaschutz ist auch Gesundheitsschutz.“

Ulrich Proske

Sozialpolitik, Jugendbeteiligung, ansprechbar

Thomas von Sarnowski

Zukunft, Klima, Finanzplanung

Robert Niedergesäß

Bildung, Lebensqualität, Sicherheit

Günter Scherzl

Wir brauchen Geld!

Manfred Schmidt

Forstschutz (keine Windräder), öffentliche Bescheidenheit

Zum Einstieg in den ersten Themenblock „Bildung” wurde den Kandidaten jeweils ein Bild aus unserer Schule gezeigt, zu dem sie innerhalb von 30 Sekunden ihre Meinung nennen sollten.

Dr. Renate Glaser bekam ein Foto von gesperrten Toiletten im Bauteil 3 zu sehen. Sie meinte dazu, dass gesperrte Toiletten erst einmal nichts mit den Baumaßnahmen zu tun hätten. Als Ärztin müsse sie jedoch sagen, dass die Toiletten geöffnet bleiben sollten.

Ulrich Proske erhielt ein Foto mit einem leeren Tamponspender, das auf den Mangel an Hygieneartikeln auf Schultoiletten hinweist. Er meinte, ein solches Problem sei im Ebersberger Stadtrat bereits angesprochen und daraufhin in den Ebersberger Schulen weitestgehend gelöst worden.

Thomas von Sarnowski bekam ein Symbolbild der defekten Technik in der Schule zu sehen, auf dem ein beschädigter Beamer auf dem Boden liegt. Er wies darauf hin, dass die Sicherheit der Personen bei defektem oder mangelhaften Schutz vor Gefahren gewährleistet sein müsse. Im Bild sei dies durch den heruntergefallenen Beamer dargestellt. Er betonte ebenso, dass man „bessere Technologie für bessere Lernbedingungen” brauche.

Robert Niedergesäß wurde ein Foto vorgelegt, das auf das in diesem Jahr ausfallende Fensterputzen hinweisen sollte. Er erwiderte, dass nur das Fensterputzen im Zuge der sommerlichen Grundreinigung für ein Jahr ausfalle und die Schule trotzdem alle zwei Tage gereinigt werde. Die Grundreinigung falle aus, da gespart werden müsse und dies die Bildung nicht beeinträchtigen würde.

Hinweis, Stand 4. März 26, die Fensterreinigung findet doch statt.

Günter Scherzl, der auch Kommunalpolitiker in Poing ist, sollte über den Bau des Gymnasiums Poings reden. Grundsätzlich befürworte er den Bau des fünften Gymnasiums im Landkreis Ebersberg und betont, dass man mehr auf Landkreisebene denken und von der Punktperspektive weggehen solle.

Manfred Schmidt wurde ein Foto gezeigt, das die Problematik darstellt, dass die Behindertentoilette dieselbe Eingangstür hat wie das Jungenklo in der Aula. Herr Schmidt hatte das Bild zwar nicht ganz verstanden, erklärte in den 30 Sekunden aber, dass er Hygiene als sehr wichtig empfinde und dass diese Vorrang gegenüber Schönheit habe. Zudem findet er: „die Toiletten [des FMGs] sind in erfreulichem Zustand“.

BILDUNG

Im Themenblock „Bildung” wurden die Bereiche „Bildungsregion”, der Einsatz von künstlicher Intelligenz und dessen Finanzierung angesprochen. Landrat Robert Niedergesäß betonte eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und die Priorität der Bildung im Haushaltsetat. (Oder mit seinen Worten: „Die Bildung hat Priorität eins im Haushaltsetat.“) Er höre auch regelmäßig von den guten Lernumständen hier am FMG von Herrn Popp. Der Bauteil 1 würde wohl noch in diesem Jahr saniert werden.

Nun kam die Frage der Geldbeschaffung auf. Thomas von Sarnowski verdeutlichte die angespannte Finanzsituation im Landkreis auch damit, dass es in Ebersberg die drittniedrigste Kreisumlage1 , aber die dritthöchste Pro-Kopf-Verschuldung² gebe. Es gebe eine Verschuldung, welche sich nach der aktuellen Planung wohl verdoppeln solle. Er präferiert den Bau des Gymnasiums Poing gegenüber dem der Berufsschule Grafing. „Es ist bei der aktuellen Finanzlage nicht drin [andere Sachen zu finanzieren]“, äußerte er.

1 mit einer Kreisumlage von 49,9% hat Ebersberg tatsächlich eine vergleichsweise niedrige Kreisumlage. Durchschnittlich beträgt sie in Oberbayern etwa 52,48% (Quellen: Bayerische Statistik & ergänzende Haushaltsangabe der Landkreise). Die Kreisumlage bezeichnet hierbei Abgaben der Gemeinden an den Landkreis, da dieser keine eigenen Steuereinnahmen hat, um seine Aufgaben zu finanzieren.

² laut der Süddeutschen Zeitung liegt Ebersberg mit Planwerten um ca. 67,6 Mio. € Ende 2025 (ca. 1000-2000 € pro Kopf) klar im Bereich der Landkreise mit höheren Verschuldungen (wegen Institutionen wie z.B. Schulen), eine klare Rangliste gebe es jedoch nicht.

Auch Günter Scherz befürwortet den notwendigen Bau des Gymnasiums Poing, da die anderen Schulen überlastet seien. Dieser würde jedoch nur über Schulden finanziert werden können. Trotzdem sei ein breites Bildungsangebot wichtig, auch mit einem Berufsschulzentrum. „Es gibt viele Wege, die zum Ziel führen.“

Die Moderatoren haben nun in die Runde gefragt, wann die Grenze an Einsparung erreicht sei, und ob es den Anspruch gebe, die Fenster nicht mehr putzen zu lassen.³

Grundsätzlich war man der Meinung, dass unsaubere Fenster keinen Einfluss auf gute Bildung hätten. Ulrich Proske legte den Fokus hingegen auf das Innenleben einer Schule. Das Umfeld solle stimmen, damit man schöne Erinnerungen an die Schulzeit habe und sich nicht wie in einem „Bunker“ fühle. In dieser Hinsicht seien die Fenster irrelevant. Zudem betonte er, dass er gegen eine Erhöhung der Kreisumlage sei, da er seinen Pflichten als Bürgermeister nicht mehr nachkommen könne, weil „alles mit allem zusammenhängt”.

³ Der Landkreis Ebersberg hatte die Fensterreinigung an fünf Gymnasien für dieses Schuljahr eingestellt, um 178.000 € zu sparen. Die Grundreinigung findet aber noch statt. (Quelle: Merkur) Dies ist nun aber aufgehoben.


Danach
interessierte es Jan und Julian, was der Landkreis hinsichtlich KI plane, da diese immer mehr im Alltag genutzt werde.

Dr. Renate Glaser antwortete daraufhin, dass es wichtig sei, die Bedarfe der Schülerinnen und Schüler zu kennen, damit ihre Wünsche im Rahmen von Fördermitteln besser berücksichtigt werden können. Dabei müsse man aber auch die Finanzierbarkeit im Blick behalten und dafür sorgen, dass die Schulfamilie Anträge an die Fraktionen im Kreistag stellen könne.


Die nächste Frage richtete sich an Manfred Schmidt: Der Neubau des Gymnasiums Poing wird kommen, aber was kann man trotz des entstehenden Finanzlochs schaffen? Welche möglichen Maßnahmen zur Instandhaltung sind vorgesehen?

Er betont, dass man dem Titel einer Bildungsregion gerecht werden müsse, gleichzeitig aber überall gespart und an vielen Drehschrauben gedreht werden müsse. Die Hygiene habe jedoch „absoluten Vorrang”. Das Aussehen einer Schule sei nicht wichtig, solange man noch durch die Fenster schauen könne. Der Neubau der Berufsschule ist für ihn genauso wichtig wie der des Gymnasiums. Schulden, die in einem solchen Bereich aufgenommen würden, dürften auch die nachfolgenden Generationen belasten, da das Geld in sie beziehungsweise ihre Zukunft investiert würde. Den Zustand der Toiletten bezeichnet er als „erfreulich“. 

Die Moderatoren hakten daraufhin nach, ob seine Meinung sei, dass die Hygiene wichtiger sei als die Technik innerhalb einer Schule.

Daraufhin antwortete er, „best ausgebildete Schüler“ seien wichtig, die Ausstattung und „beste Lehrer“ müssten „sachlich verbessert werden“.

Zur Frage der Grundreinigung der Sanitäranlagen meinte Robert Niedergesäß, diese werde nicht gestrichen und es sei nicht der richtige Weg, die Kreisumlage zu erhöhen. Die Gemeinden bräuchten sie, um ihre Infrastruktur zu finanzieren und ihre sonstigen lokalen Aufgaben zu erfüllen. Man müsse schauen, wie man in Zukunft schlauer investieren könne.

Nun meldete sich Manfred Schmidt zu Wort. Er wolle noch einmal betonen, dass die Erhöhung der Kreisumlage nicht die „erste Variable“ sei. Lieber sollten freiwillige Leistungen gekürzt werden.

INFRASTRUKTUR

Dieser Themenblock wurde durch ein kleines Spiel eingeleitet, bei dem der jeweilige Politiker vorgegebene Sätze beantworten musste:

  • Herr Schmidt: Barrierefreiheit im öffentlichen Raum heißt für mich … „den Behinderten alle Erleichterungen zu verschaffen, damit sie am öffentlichen Leben teilnehmen können“.
  • Herr Scherzl: Ich würde öfter Bus fahren, wenn … „er zu Bedarfszeiten fährt und nicht überfüllt ist“.
  • Herr Niedergesäß: Wenn ich am Bahnhof stehe und die S-Bahn ausfällt, dann „[ist es] katastrophal. Was bringen uns Busse zum Bahnhof, wenn die Bahn nicht fährt?“
  • Herr von Sarnowski: Ich benutze das Fahrrad immer, wenn … „ich täglich zur Bahn fahre“.
  • Herr Proske: Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, dann verwende ich … „immer das Rad“.
  • Frau Glaser: Im Straßenverkehr sehe ich zu viele … „Autos“.

Nachdem die Kandidaten nun Sätze vervollständigen durften, kam es auch bei diesem Oberpunkt zu einer freien Aussprache.

Thomas von Sarnowski wurde gefragt, wie man die Anfahrt zur Schule verbessern möchte, da in dem anwesenden Publikum der Oberstufe viele ein Auto besäßen.

Er antwortete, man müsse Anfahrt in „Fragezeichen setzen“. Es gehe um eine gute Verknüpfung von Verkehrsmitteln, aber auch, die Verkehrssicherheit bei Schulwegen zu erhöhen. Auch an verlässlichen Zügen mangele es. Hier hätten vor allem die Grünen auf Bundesebene höhere Investitionen gefordert. Er bezog sich hierbei auch auf die Ausbaustrecke 38 (ABS 38) von München über Mühldorf nach Freilassing. Hier könnte sich die CSU „nicht durchsetzen“. Es sei eine „Durststrecke“.  

Die Moderatoren wollten daraufhin wissen, warum das für uns in Ebersberg relevant sei.

Er meinte, es bringe mehr „Sicherheit ins System“, da hier schon ein kleines Problem eine Auswirkung auf vieles, wie etwa Folgeverspätungen, habe.  

Die nächste Frage, ob man vorhabe, Busse zu streichen, richtete sich an Günter Scherzl.

Er antwortete, Busse für Schüler zu streichen, käme nicht in Frage, das sei „Stufe Basis“. Andere Linien richten sich nach der Auslastung. Die Achillesferse des Busverkehrs sei, Buslinien ohne Passagiere bis ins Hinterland zu betreiben, da diese zu teuer sind.

Eine Frage, die im Vorfeld vom Publikum gestellt worden war, wurde an Dr. Renate Glaser übergeben: Es passiert oft, dass Busse nicht zur richtigen Zeit an der Bushaltestelle fahren [entweder zu früh oder zu spät]. Für viele ist das aber die einzige Möglichkeit, zur S-Bahn zu kommen, im Hinblick auf den Busverkehr Markt Schwaben – Forstinning und Markt Schwaben – Pliening. Welche Pläne gibt es, dieses Problem zu beheben?

Frau Dr. Glaser meinte, die Vernetzung müsse besser gemacht werden. Hierbei könnte auch KI den Systemen helfen, die nicht gut aufeinander eingestellt sind. Hierbei müsse das Angebot auch immer „bedarfsgerecht“ sein. Busse mit drei Personen sind nicht wirtschaftlich. Die Fahrer seien öfter das „Bottleneck“. Autonomes Fahren sei für sie eine Möglichkeit, damit das Angebot flexibel bleibe.  

Daran angeschlossen, richteten sich die Moderatoren an Landrat Niedergesäß mit der Frage, worin er denn die Lösung für autonomes Fahren sehe.

Er meinte, dies sei nur langfristig eine Lösung. Die Busse fuhren zuletzt etwa 3,9 Millionen Kilometer pro Jahr durch den Landkreis Ebersberg4. Dies habe sich in seiner Amtszeit „stark verbessert“ . Er mache dies alles auch aus Überzeugung für den ländlichen Raum, doch trotzdem hätten die Schulen oberste Priorität. Personal sei für Busunternehmer nicht immer leicht zu finden. Ein Mal im Jahr gebe es zudem eine Abstimmung, wie man den nächsten Busfahrplan verbessern kann. Bis autonomes Fahren sehr gut wird, seien er und Dr. Renate Glaser jedoch nicht mehr in der Kommunalpolitik aktiv, sagte er mit einem Schmunzeln.

4 https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/ebersberg-ort28611/teurer-oepnv-im-kreis-ebersberg-buslinien-kaum-ausgebaut-schon-vor-dem-aus-93841337.html
 

Bis Ende diesen Jahres müssen 65% der neu angeschafften Busse emissionsfrei sein5.  Dies sei im Landkreis aber noch nicht der Fall. Die Moderatoren interessierten sich daraufhin, ob damit „gepokert“ werde, dass man keine Strafe durch die EU bekommt?

5 Laut einer EU-Verordnung müssen müssen 38,5 Prozent der Pkw und leichten Nutzfahrzeuge emissionsfrei sein. Für schwere Nutzfahrzeuge steigt die Quote auf 15 Prozent, für Busse auf 65 Prozent. Bei der Busbeschaffung müssen mindestens die Hälfte der Busse mit alternativen Antrieben emissionsfreie Modelle sein. (http://www.energieagentur.rlp.de/angebote/kommune/lotsenstelle-alternative-antriebe/umsetzung-der-clean-vehicles-directive)

Ulrich Proske antwortete darauf, im Landkreis Ebersberg könnte man auf Wasserstoff Busse setzen. Es soll bereits auch in Wasserstoffbus-Tests investiert worden sein. In Städten seien sie nicht sinnvoll, da es hier bereits eine Ladeinfrastruktur für Elektrobusse gibt, wobei man auf dem Land „da teilweise weit hinterher[hinkt]“. Es mache auch wenig Sinn, auf Elektrobusse zu setzen, wenn die benötigte Energie zugekauft werden müsste, da die eigene regenerative Energie nicht reiche. Auch die Ladepausen müsse man beachten.

Manfred Schmidt meinte, er kann Proske nur zustimmen. In der tagesaktuellen Süddeutschen Zeitung stünde auch etwas von einem Projekt aus Saudi Arabien, was mit Wasserstoff zu tun hat. Die BRD müsse Geld in die Forschung investieren.  

Die moderierenden Schüler wollten von ihm nun wissen, warum und inwiefern das Projekt in Saudi Arabien uns betreffen würde.

Herr Schmidt meinte, es „ist bereits an der Tagesordnung“, da Ebersberg zum Beispiel in Wasserstoffbus-Tests investiert hätte.

Niedergesäß fügte hinzu, Priorität eins sei der Angebotsausbau. Hierbei brauche man mehr ÖPNV statt Individualverkehr. Er sprach von einer Förderung an einen Busunternehmer von 36 E-Bussen samt Ladeinfrastruktur. Busse werden auch antriebsoffen ausgeschrieben, da aber Dieselbusse nun günstiger seien, werde sich öfter für diese entschieden. Nun sollen auch Elektrobusse gekauft werden, die 7,5 Prozent teurer sind als ihre Diesel-Gegenspieler. Ebenso werde auch durch dieses Vorhaben eine vollständige Elektrifizierung der Busflotte angestrebt.

Schmidt hakte wieder ein und äußerte, schöne Busse würden nichts nützen, solange es keine Fahrer gebe.

Nun wurden am Ende des Themenblocks der Infrastruktur die Zwischenzeiten verkündet, die Thomas von Sarnowski scherzhaft mit dem Zwischenzeugnis verglich. Es kam Lachen aus dem Publikum.

UMWELT

Der Landkreis hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden6. Laut Lisa Rüttgers, der Klimaschutzmanagerin des Landkreises, gibt es zwar Fortschritte, doch sei man vom endgültigen Ziel noch weit entfernt7.

6 https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/klimaneutral-bis-2030-davon-ist-der-landkreis-ebersberg-weit-entfernt-91962897.html

7 https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/glonn-ort28734/landkreis-ebersberg-klimaziel-treibhausgasneutral-2023-92413390.html

Mit welchen konkreten Maßnahmen soll die Abweichung vom Ziel möglichst gering gehalten werden?

Scherzl sagte, dass es sehr schwierig sei. Es gäbe viele verschiedene Blöcke und „die Klimaneutralität ist wie ein Puzzle”. Man müsse auf kommunaler Ebene schauen, wie sich Klimaneutralität darstelle. Auf Kreisebene addiert sich das dann aber wieder alles auf. Sie hätten die Tools, aber die Umsetzung sei schwierig. Als Landkreis könne man nur die eigenen Liegenschaften verändern. Es ist wichtig, sich von einer konkreten Jahreszahl zu verabschieden. Dies würde man nicht schaffen. Der Wille muss da sein und das Thema muss immer auf der Agenda stehen. Nur so würde man das Ziel erreichen..

Als nächstes kam die Frage, wie man die Bürger besser mit einbeziehen könne.

Dr. Renate Glaser hob die Wichtigkeit hervor, die gesetzten Ziele auch zu erreichen. Der Klimawandel sei auch für die Wirtschaft von Bedeutung. Wenn Firmen oder Privatpersonen investieren, müssen sie ihr Geld auch wiederbekommen, zum Beispiel durch die dadurch gewonnenen Einsparungen, wie etwa bei der Stromeinsparung durch eine Photovoltaikanlage.

Ulrich Proske betonte, dass es wichtig sei, überhaupt etwas zu unternehmen. In Ebersberg habe man die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt und somit eine erhebliche Menge an CO₂-Emissionen eingespart. In den Klimaschutz müsse Geld investiert werden, wo man die Investitionen auch wieder „reinbekommt“, also in etwa sieben bis zehn Jahren. Dies müsse man machen, um „ins Laufen zu kommen“, und es dann sukzessive umsetzen. „Anschieben und machen”.

Für die Liegenschaften vom Landkreis kann man das Ziel, Ebersberg klimaneutral zu machen, am einfachsten durchsetzen. Welche Pläne hat man, dies flächendeckend zu erreichen und wie läuft die Kommunikation ab?

Zunächst sprach Schmidt von der Bürgermeisterdienstbesprechung, die vom Landrat gut gepflegt werde. Er persönlich setzt sich auch für Geothermie in Vaterstetten ein, wo er früher Gemeinderat war. Er möchte dort von Erdgas auf Geothermie umstellen. Geothermie sei grundlastfähig und könne somit auch zur Versorgung des Landkreises beitragen. Das bedeutet, dass die Energie- oder Wärmeversorgung zuverlässig und kontinuierlich rund um die Uhr arbeiten kann. Ebenso betonte er, dass das Schwabener Moor bewässert werden müsse.

Jan und Julian wollten nun aber wissen, wie er es denn konkret umsetzen wolle.

Er entgegnete, dass man mit den Eigentümern reden und ihnen einen Grundstückstausch anbieten müsse. In unserem Interview mit dem Landrat hat dieser uns allerdings versichert, dass eine Moorbewässerung nicht möglich sei, dies aber bereits im südlichen Landkreis praktiziert werde.

Die Moderatoren drängten auf Lösungen und wollten nun wissen, ob man Geothermie auch als Lösung sähe?

Robert Niedergesäß sagte, er habe auch schon als Bürgermeister von Vaterstetten darauf gedrängt. In Poing gäbe es so etwas schon. Man könne den Gemeinden aber nicht alles auferlegen, da dies auch eine Aufgabe der Gemeinden selbst sei.

Zudem fügte er hinzu, dass er anstrebt, dass es zu 100 Prozent regenerativen Strom gebe und an Liegenschaften des Landkreises nur Ökostrom verbraucht werde.

Wenn die Geothermie kommt, würde es eine hohe Wärmeeinsparung geben. Der Berg sei zwar noch hoch und steil, aber die Energieagentur berät Bürger und Wirtschaft, um ebenfalls Energie einzusparen.

Nun wurde Thomas von Sarnowski gefragt, wie er das Thema sieht.

Er meinte, dass es jedes Jahr, in dem nichts unternommen werde, schwieriger werde, den zuvor genannten Berg zu überwinden. Bereits 2013 wurde ein Antrag gestellt, Photovoltaik auf allen Dächern zu installieren, da dies „verschwendeter Platz” sei. Er habe auch viele Gemeinsamkeiten mit Niedergesäß. Er wünsche sich nur mehr Tempo bei der Umsetzung, zum Beispiel bei Windrädern, da man mit dem aktuellen Tempo nicht ans Ziel komme.

Die nächste Frage richtete sich an Ulrich Proske. Laut der Stadt Ebersberg sei der Schutz von Trinkwasser wichtiger als der Bau von Windrädern, weshalb sie auch eine Klage gegen den geplanten Bau eingereicht hatte. Wie könnte er das erklären?

Trinkwasser sei wichtig, da es niemand mehr sauber macht. Deshalb wolle man im Ebersberger Forst keine Windräder, da es sich dort um ein Wasserschutzgebiet handele. Grundsätzlich finde er Windräder gut, solange sie außerhalb von Wasserschutzgebieten stehen.

SCHLUSS-STATEMENTS

Daraufhin endete die Diskussion und die Politiker wurden jeweils nach ihren Schlussstatements gefragt. In einer Minute sollten sie vortragen, wie sie unseren Landkreis in zehn Jahren sehen.

Dr. Renate Glaser sieht den Landkreis in zehn Jahren grüner. Es gebe ein dichteres Netz von Radwegen und Radabstellplätze an allen Bahnhöfen. Außerdem gebe es mehr beschattete Plätze und Starkregenereignisse seien unter Kontrolle.

Ulrich Proske meint, dass Ebersberg in zehn Jahren durchsaniert sein sollte, mit einem jetzt noch unbekannten, aber konkreten Plan zur Reduzierung der Schulden. Außerdem sehe er einen besseren ÖPNV, eine Kreisklinik ohne Defizite, eine fortgeschrittene Digitalisierung und eine fertige Berufsschule in Grafing. „Das wird cool.”

Thomas von Sarnowski sei ein Stichwort besonders wichtig: Heimat. Er wünscht sich, dass wir Schüler Ebersberg in zehn Jahren mit Heimat assoziieren. Er sehe einen Ort mit schöner Natur, pünktlichen Bussen und Bahnen, genügend Wohn- und Arbeitsplätzen sowie einer angenehmen Gesellschaft.

Robert Niedergesaß vermutet, dass das Gymnasium Poing und die Berufsschule Grafing bis dahin fertiggestellt sein werden. Das FMG werde durchsaniert sein und über Fenster mit „gutem Durchblick” verfügen. Der Landkreis werde lebenswerter und sicherer sein, obwohl sich die nationale und internationale Situation ändern werde. „Wir gründen Familie und fühlen uns wohl.“

Günter Scherzl denkt ebenfalls, dass unser Gymnasium saniert werden wird. Es könnte ein neues Schulkonzept und eine neue Strukturierung geben. Ebersberg könnte zu einer guten Bildungslandschaft mit genügend Wohnraum werden. Es müsse aber viel gestemmt werden und der Landkreis müsse grün bleiben.

Manfred Schmidt weiß nicht, ob „der liebe Gott [ihn] in zehn Jahren noch auf der Erde lässt“, aber es komme darauf an, ob Kommerz Natur schlägt oder umgekehrt. Zudem sehe er eine Erhaltung des Landschaftsbildes und keine Baulandausweitung, außer für nachfolgende Generationen oder Arbeitskräfte, damit sie sich Wohnraum leisten können und um Fachkräfte zu gewinnen. (Hierbei ging er auf den Beruf des Metzgers als Beispiel ein.) Der Ebersberger Forst werde als Landschaftsjuwel erhalten bleiben. Er sei gegen Steuerverschwendung und sehe die Finanzen positiv.

Nach den Schlussstatements hatten die Zuschauer noch die Möglichkeit, den Politikern Fragen zu stellen. Die Veranstaltung endete schließlich um 13:05 Uhr mit einem Appell an die Schülerinnen und Schüler, wählen zu gehen.

Während die meisten Schülerinnen und Schüler nach Hause gingen, führten wir vom Phoenix noch Interviews mit den einzelnen Politikerinnen und Politikern, die sich dan­kens­wer­ter­wei­se Zeit für uns nahmen.

 

Dr. Renate Glaser

Robert Niedergesäß

Günter Scherzl

Thomas von Sarnowski

Manfred Schmidt

Wie möchten sie den Landkreis Ebersberg für junge Erwachsene attraktiver machen?

Mehr Fahrradwege, sichere Fahrradwege, Fahrrad-stellplätze an Bahnhöfen

Infrastruktur schaffen, wo wir als Landkreis verantwortlich sind (z.B. attraktive Schulen, Ausbau von attraktiven Busverbindungen, Radwege, Turnhallen des Landkreises für die Sportvereine, bezahlbaren Wohnraum schaffen, …)

Stationäre Angebote (z.B. Spielhalle)

Genügend Freizeit-aktivitäten

Was ist eine greifbare Veränderung, die sie in der Umgebung von Markt Schwaben tätigen wollen?

Poinger Gymnasium, Fahrrad-schnellweg nach München, günstiger Wohnraum, S-Bahn Anbindungen

Sicherung und Ausbau unseres Schulzentrums in Markt Schwaben, Prüfung, ob dort künftig auch ein FOS/BOS-Angebot geschaffen werden kann, Gymnasium Poing bauen, Radschnellweg München Markt Schwaben

Poinger Marktplatz mehr Angebote, Erhöhung der Lebensqualität

Fließgewässer

renaturieren

Welche Politischen Entscheidungen bereuen sie am meisten?

Die Fenster an unseren Schulen aus Einspargründen 2026 nicht zu reinigen war keine gute Idee aus dem Landratsamt. Die berechtigte Kritik von vielen Seiten habe ich ernst genommen und nun entschieden: Die Fenster werden auch 2026 gereinigt! 

Entscheidung zur Verschonung des Forstes (Windräder)

Welche Eigenschaft der hier anwesenden Politiker hätten sie gerne?

Landrat: gutes Wissen, gut in der Diskussion;

Sarnowski: kann sich gut darstellen;  Proske: pragmatisch, gutes praktisches Wissen

Wichtig in der Politik: Zuhören, ernstnehmen, erklären, Lösungen / Kompromisse suchen, entscheiden, umsetzen! 

 

Niedergesäß: rhetorischer Profi

Mehr Konzentration auf das Wesentliche, sich kürzer und präziser fassen

Wie stehen sie persönlich zur Wehrpflicht?

(Prozent)

60%-70%

Ich bin nicht für eine reine Wehrpflicht, sondern für eine allgemeine Dienstpflicht für alle. Jeder soll selber entscheiden, wie er sein Land in dieser Zeit am besten unterstützen kann, ob im sozialen Bereich, im Naturschutz oder bei der Bundeswehr.

Demokratie sollte geschützt werden

(Ja, aber er findest nicht gut)

(geschätzt: 80%)

Sozialdienst: Ja

verpflichteter

Wehrdienst: Nein

(geschätzt: 0%)