Interview mit Robert Niedergesäß (CSU)
Folgend ist das Interview mit Robert Niedergesäß, Mitglied der CSU-Fraktion im Ebersberger Kreistag seit 2002. Seit 2013 ist er der Ebersberger Landrat und war davor Bürgermeister von Vaterstetten von 2001-2013. Zudem ist er Vorsitzender der AGFK Bayern (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern) seit 2004 und Aufsichtsratsvorsitzender der Regenerativen Energie Ebersberg. Seine persönlichen Schwerpunkte sind Bildung, Gesundheit, bezahlbarer Wohnraum, Klimaschutz und Mobilität.
Phoenix: Gab es schon einmal den Vorschlag, eine Jugendbeteiligung einzuführen? In Ebersberg gibt es den 8er Rat. Gab es auch schon Vorschläge, das auf Kreisebene umzusetzen, wo Jugendliche dann ihre Bedenken äußern können?
Niedergesäß: Nein, konkret nicht, vermutlich weil es auf Kreisebene noch etwas schwieriger ist wie schon auf Gemeindeebene. Ich war schon mal beim 8er Rat in Ebersberg und finde toll, was die Jugend dort auf die Beine stellt. Andere Gemeinden denken auch darüber nach. Aber wenn junge Menschen zu mir kommen oder Anträge stellen oder sich einbringen wollen, z.B. Schüler aus unseren Schulen, dann bekommen die auch so Rederecht im Kreistag und wir behandeln ihre Themen und Anliegen. Und auch der Kreisjugendring oder politische Jugendorganisationen bringen sich auf Kreisebene ein, das ist gut so.
Aber bis jetzt gab es wie gesagt noch keine konkrete Idee, so einen 8er Rat auf Landkreisebene einzuführen, vielleicht kommt das ja noch. Wenn engagierte junge Menschen gemeinsam was bewegen wollen, dann sollte man das ernst nehmen und unterstützen!
Phoenix: Die Verschuldung des Landkreises steigt ja auch stetig und Sie haben die Situation auch einmal als „beschissen“ bezeichnet. Wie möchten Sie es konkret verändern, damit der Schuldenberg nicht den folgenden Generationen, also uns, zu Lasten fallt?
Niedergesäß: Genau. Ich habe die aktuelle Haushaltslage als „beschissen“ definiert, weil diese momentan sehr schwierig ist. Darunter leiden alle Gemeinden und Landkreise, denn sie sind vom Bund und vom Land unterfinanziert für die Aufgaben, die sie zu leisten haben. In meiner ersten Wahlperiode haben wir die Schulden von rund 60 auf rund 30 Mio. Euro halbiert. Auch aktuell haben wir eine niedrigere Pro-Kopf-Verschuldung als 2013, als ich anfing. Wir haben jetzt große Investitionen in die Bildung beschlossen, das ist keine Schuldenmacherei, das ist eine Investition in die Zukunft. Der Landkreis Ebersberg tilgt Schulden generationengerecht innerhalb von 20 Jahren, also nicht wie viele andere Kommunen, die sich da oft 50, 60 Jahre Zeit lassen und die Schuldenlast in die Zukunft verschieben. Einzige Ausnahme sind jetzt die beiden neuen Schulneubauten, das Gymnasium in Poing und das Berufsschulzentrum in Grafing, diese Kredite zahlen wir spätestens in 40 Jahren zurück. Unabhängig davon müssen wir natürlich aktuell bei den laufenden Ausgaben auch sparen, was wir auch tun. Das ist jetzt eine schwierige Phase für uns alle, da müssen wir durch und dennoch investieren wir in unsere Zukunft und bauen Schulen, diese Projekte in die Zukunft zu verschieben wäre ein großer Fehler und zudem dann noch teurer, Bildung hat Priorität eins.