Interview mit Thomas von Sarnowski (Grüne)
Thomas von Sarnowski ist seit 2020 Kreisrat im Ebersberger Kreistag, ehemaliger Vorsitzender der GRÜNEN Bayern von 2021-2024 und ehemaliger Sprecher der Grünen Jugend Ebersberg von 2004-2005. Ihm sind der Ausbau der Radwege und des ÖPNV, Klimaschutz und Digitalisierung besonders wichtig. Der Phoenix hat mit Thomas von Sarnowski, dem Landratskandidaten, ein paar Fragen gestellt.
Phoenix: Sie sind bei den Grünen und setzen sich unter anderem auch für den Klimaschutz ein. Wie gut wird die Kreislaufwirtschaft Ihrer Meinung nach bisher umgesetzt?
Sarnowski: Also es [ist ein] großes Thema. Wir sind da eigentlich erst gerade an den Anfängen. Früher hat man viel mehr in Kreisläufen gedacht. Wir haben in den letzten 100 Jahren aber Stoffe erfunden, die nicht kaputtgehen. Das ist erst einmal positiv: Plastik, was ist das bitte für ein tolles Material, was kann man damit nicht alles Tolles machen? Aber wir denken die Dinge nicht vom Ende [her]. Dafür haben sich die Grünen im Europaparlament stark gemacht: Wir brauchen Produkte, wo von vornherein das Lebensende mitgedacht wird. Heute reicht das Denken häufig nur bis zum Aufmachen der Produktverpackung, aber nicht bis dahin, was irgendwann mal mit dem Produkt passiert. Diese Perspektive ist der Schlüssel.Einerseits für Reparierbarkeit, dass wir eine lange Lebenszeit erreichen, und dann aber auch von vornherein mitzudenken: Wie kann ich die Teile wieder so trennen, dass ich die Rohstoffe zurückgewinnen kann? Das ist die entscheidende Frage für das 21. Jahrhundert. China setzt sich mit dem Hintern auf die Rohstoffe drauf, die wir brauchen. Wir müssen den Wert, der im Müll steckt, endlich nutzen.
Phoenix: Was würden Sie konkret als erste Handlung umsetzen für eine Verbesserung des Klimaschutz beziehungsweise Umweltschutz im Landkreis?
Sarnowski: Es gibt nicht nur die Klimakrise. Es gibt auch eine Krise der Artenvielfalt. Wenn das letzte Individuum von einem gefährdeten Schmetterling,Vogel oder Frosch stirbt, dann stirbt es leise. Das kriegt keiner mit. Aber nur weil es still ist, heißt das nicht, dass es nicht ganz existenziell für uns ist, weil wir in Ökosystemen leben, wo alles mit allem zusammenhängt. Wenn da einzelne Arten rausfallen, kriegen wir ein riesiges Problem. Mit dem Volksbegehren Artenschutz hat Bayern ja mit einem wahnsinnigen Rückenwind aus der Bevölkerung wichtige Grundlagen gelegt. Wenn es um Biotope geht, also Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sind wir aber noch nicht da, wo wir sein müssten. Ich mache ein Beispiel: Wir haben sogenannte Öko-Ausgleichsflächen hier im Landkreis. Da gab es vor ein paar Jahren eine Studie: Die Hälfte von denen existiert gar nicht oder ist in einem schlechten Zustand. Da zahlt man Geld für Ausgleichsmaßnahmen, und wenn man sich die Fläche anschaut, dann ist das weiter ein landwirtschaftlicher Grund. Das heißt, wir brauchen auch Personal und eine Personalausstattung in den Naturschutzbehörden, die das auch kontrollieren kann. Es hilft nicht nur, ein Gesetz zu haben, sondern wir müssen in den Vollzug gehen. Das wäre die erste Maßnahme: Dafür zu sorgen, dass die untere Naturschutzbehörde personell besser ausgestattet ist.
Phoenix: Sie waren Landesvorsitzender der Grünen. Unterscheidet sich Landes- und Regionalpolitik und wenn ja, inwiefern? Und außerdem, was bevorzugen Sie eher? Größere allgemeine Entscheidungen auf Landes- oder eher bürgernah auf Regionalebene?
Sarnowski: Vorweg: Wenn Entscheidungen auf Landes- oder Bundesebene nicht bürgernah sind, dann hat man einen Fehler gemacht, weil es uns ja genauso betrifft. Wenn jetzt zum Beispiel über die Rente entschieden wird, dann geht es ganz konkret um euch und unsere Zukunft. Haben wir ein Rentensystem, das an alle Generationen denkt? Am Ende ist für mich entscheidend, ob Politik bürgernah ist. Das zeigt sich daran, wie häufig ich in den Austausch gehe. Politik, die zuhört, statt nur zu senden. Das ist für mich das Kriterium von Bürgernähe. Und zur Kommunalpolitik: Das Schöne an ihr ist, dass man den Erfolg direkt sieht. Am Anfang der letzten Kreistagsperiode wurde ein Radweg zwischen Ebersberg und Grafing Bahnhof gebaut. Der sollte direkt über eine 300-jährige Eiche führen. Wir haben gesagt, das geht so nicht, und sind nochmal auf die Barrikaden gegangen, obwohl der Bagger schon da war. Und wir haben es geschafft, dass die Straße jetzt einen kleinen Schlenker um diesen Baum macht. Ich fahre da jeden Morgen mit dem Rad vorbei, wenn ich zum Zug fahre, und sehe, dass ich etwas bewirkt habe. Das ist Kommunalpolitik: Man kann die Veränderung direkt vor Ort sehen. Die andere Seite der Medaille ist natürlich, dass man sich auch mal aufregen muss.
Phoenix: Auf einem Wahlplakat von Ihnen am Bahnhof Markt Schwaben steht auf einem Wahlplakat „Zukunft sichern, Heimat bewahren.“ Was meinen Sie damit?
Sarnowski: Worum geht es bei „Zukunft sichern, Heimat bewahren“? Wir haben aktuell das Problem, dass der Landkreis eine völlig unsolide Finanzpolitik hat. Es fängt damit an, dass der Landrat 1,8 Millionen am Kreistag vorbei ausgegeben hat. Das hätte er nicht tun dürfen. Vor allem engt seine Schuldenpolitik – wir stehen vor einer Verdopplung der Schulden – jeden Handlungsspielraum der Zukunft ein. Das ist für mich nicht nachhaltig – deswegen: “Zukunft sichern“. Das gilt natürlich auch in Richtung Klimaneutralität. Wir müssen jetzt die Grundlagen legen, damit wir auch in Zukunft eine lebenswerte Heimat haben. Die beiden Dinge gehören zusammen.
Bei „Heimat bewahren“ geht es mir um zwei Dinge: die schöne Landschaft hier zu erhalten und nicht alles zuzubetonieren. Aber auch darum: Heimat ist Zusammensein. Wir haben eine starke Spaltung in der Gesellschaft. Wir müssen mehr miteinander reden und zusammenkommen. Ich finde, im Landkreis geht es noch recht gut, wir sind noch nicht so polarisiert. Auch das ist für mich Heimat – ein Ort, wo man über Parteigrenzen hinweg gut und gerne miteinander redet – und den will ich bewahren.
Phoenix: Wie würden Sie Herr Popp als Lehrer beschreiben?
Sarnowski: Herr Popp war immer lustig, hat gute Stimmung in den Unterricht gebracht, er hat an uns Schüler geglaubt, er hat gesehen: Der Thomas hat zwar jetzt einen Fünfer, aber ein andernmal hat er einen Zweier, der kann was. Stärke in den Kindern Jugendlichen zu sehen, und sie zu ermutigen weiterzumachen – das ist Herr Popp. Und er ist einfach eine freundliche Persönlichkeit.